Auch mit 91. Jahren ist die Diplom Bildhauerin und Keramikerin künstlerisch aktiv. Gerade hat sie sich von einem Spruch Goethes inspirieren lassen „Musik ist flüssige Architektur und Architektur ist gefrorene Musik“, dazu will die Künstlerin eine größere Skulptur gestalten, „die Anfänge dazu sind schon gemacht“, erzählt Emilia Bayer. Die mehrfach ausgezeichnete Künstlerin lebt nunmehr seit fast 20 Jahren in der Gemeinde Tyrlaching und fühlt sich gemeinsam mit ihrem Ehemann hier sehr wohl. Bei seinem Besuch freute sich Bürgermeister Andreas Zepper, dass die Jubilarin trotz ihres hohen Alters immer noch so fit ist und ihrer künstlerischen Arbeit nachgehen kann.
Emilia Bayer wurde am 5. Mai 1934 in Sophia in Bulgarien geboren, wuchs aber in Deutschland auf. Zum Studium kehrte sie in ihre Geburtsstadt zurück und studierte dort an der Akademie der Künste Bildhauerei und Keramik. Nach ihrem Diplomabschuss 1964 arbeitete sie freiberuflich als Bildhauerin. Ihre Arbeiten wurden auf nationalen und internationalen Ausstellungen mit Auszeichnungen dotiert. In einem Credo sagt Emilia Bayer über ihre Arbeiten: „Meine Skulpturen und Bilder sind ein exakter Ausdruck meiner Gedanken und Gefühle. Für mich ist Kunst die höchste Form der Erotik und des Kampfes gegen die Furcht vor dem Tod“.
Überwiegend beschäftigte sie sich mit „Kunst am Bau“, aber auch angewandte Grafik, Fliesenmalerei, figürliches Porzellan. Die Ölpastellmalerei findet man in ihren Arbeiten immer wieder. Zu ihren größten Arbeiten zählen die sechs Betonreliefs am Friedrichstadt-Palast in Berlin sowie Keramik-Reliefs im dortigen Künstler-Casino. Zahlreiche überlebensgroße Figuren von ihr geschmückten Parks und öffentliche Gebäude in Berlin und Hannover sowie in zahlreichen Städten in Bulgarien. So schmückt ein rund 240 Quadratmeter großes Steinrelief das Theater in Sofia. Vergangenen Sommer würdigte eine Dokumentationsausstellung in der Nation Gallery in Sofia in Bulgarien, das künstlerische Wirken von ihr. Emilia Bayer’s Arbeiten wurden auch in zahlreichen Städten ausgestellt, darunter in New York, Wien, Hamburg und Berlin. Aber auch in unserer näheren Umgebung, so in Trostberg, Burghausen und München waren ihre Werke zu besichtigen. Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt Emilia Bayer zahlreiche Auszeichnung; so den Orden Kyrill und Methodi des bulgarischen Staates für ihr künstlerisches Gesamtwerk 1984, eine Auszeichnung für beste Arbeit auf einer internationalen Ausstellung in Wien (1958) und die Ehrung der Internationalen Keramik-Biennale Faenza (1974). Werke von Emilia Bayer befinden sich dauerhaft in New York, Boston, Seattle, Paris, Hannover, Berlin, Leipzig, Wiesbaden, Faenza (Museum), Avezzano, Genf, Moskau, Warschau, Krakau, Sopot, Sofia (National-Galerie), München, Trostberg und Bad Reichenhall. „Darüber bin ich schon sehr glücklich und auch stolz, denn so bleibt doch etwas von meinem künstlerischen Schaffen, auch wenn ich nicht mehr bin“, so die Jubilarin.
Emilia Bayer lebte viele Jahre in Ostberlin. Später zog es sie nach Bayern, „weil ich die Berge so Liebe“, erzählte sie. Nach der Wende übersiedelte sie nochmals nach Berlin, kam aber wieder nach Bayern zurück. Seit nunmehr 18 Jahren lebt sie mit ihrem Mann, mit dem sie 1970 die Ehe schloss, in Tyrlaching. Aus der glücklichen Ehe ging eine Tochter hervor, die ihr wiederum einen Enkelsohn geschenkt hat. Leider lebt die Familie in Singapur, „was mein Mann und ich sehr bedauern – da Besuche nur selten möglich sind“, so die Künstlerin. Emilia Bayer erfreut sich noch guter Gesundheit und ist immer noch künstlerisch aktiv – „denn ohne meine Kunst könnte ich nicht sein, sie gehört einfach zu meinem Leben“, betont Emilia Bayer. Überall in Haus und Garten finden sich Bilder, Figuren und künstlerische Werke, welche die vielfältige, künstlerische Schaffenskraft der Jubilarin zeigen. Gerne öffnet die Jubilarin ihre Galerie auch für Besucher, die sich für ihre künstlerische Arbeiten interessieren.



